Der Radiomoderator

Einige von euch hoffen schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung „der Marinesoldat“  Story, aber da müsst ihr euch noch gedulden. Es wird hier nicht chronologisch erzählt, denn das wäre zu einfach und wir wollen es ja spannend machen  😉
Reden wir heute mal über einen weiteren Übeltäter.

Es war zur Anfangszeit, als ich nach Berlin zog.
Damals hab ich noch meine Ausbildung zur Goldschmiedin gemacht und kannte hier so gut wie keinen Menschen. In einer Werkstatt mit einem Urberliner Chef, in seinen besten Jahren und einem Schwaben der vielleicht etwas jünger war als er, saß ich da nun. Freundelos.
Das einzige Highlight des Tages war das Radio. Ich durfte ab und zu mal meinen Sender hören, wenn nicht gerade Kulturradio lief. Da bekam ich wenigstens mit, was im coolen Berlin so abging. Ohne mich.

Nachmittags gab es bei meinem Radiosender immer eine Stunde in der über ein Thema diskutiert wurde. Das Thema an diesem Tag war Synästhesie. Ehe ich hier auf komplizierte Art und Weise versuche zu erklären was das ist, klickt doch bitte einfach auf den Link.

Ich hatte schon immer diese Symptome und nun gab es endlich ein Wort dafür. Ich war Synästhet. Klingt irgendwie krank. Und da ich sowieso niemanden hatte, mit dem ich die  Pausen hätte verbringen können, habe ich eben bei einem Radiosender angerufen. Langsam bekomme ich Mitleid mit meinem damaligen Ich..

Gesagt, getan: 030… und los gehts. Keine Sorge, ich hab keine 9€ pro Minute gezahlt. Die rufen einen zurück.
Ich war tatsächlich nach zweimal klingeln in der Leitung und fing an zu erzählen. Ich habe immer einen ziemlich sarkastischen Unterton, was dazu führte, dass der Moderator natürlich nichts von dem was ich sagte, ernst nahm. Der Typ hat echt geglaubt, dass ich ihn verarsche. Dabei habe ich nur das Gefühl genossen, von diesem Thema mehr Ahnung zu haben, als er.
Normalerweise nehmen die bei so einer Sendung mehrere Zuhörer in die Leitung, aber das hat er nicht geschafft. Ich kann eben gut quatschen und nach 25 Minuten schweiften wir ab und waren nicht mal mehr bei dem eigentlichen Thema. Ich fing an zu erzählen, dass ich jemanden kenne, der auch beim Radio arbeitet. Ich sagte ihm, dass Radioleute doch nur dort arbeiten, weil sie zu hässlich für das Fernsehen sind. Ups – im Nachhinein klingt das super gemein. #sorrynotsorry

Voll ins Schwarze getroffen. Er ist immer patziger geworden und versuchte mich abzuwimmeln. Ohne Erfolg. Schließlich war das für mich mal voll das Erlebnis! Das hin und her ging dann noch paar Minuten, bis er einfach auflegte. Ernsthaft?
Geschockt von diesem Move, legte ich schließlich auch auf. Wie frech war das denn bitte? Anyways, ich hatte ja noch Pause und holte mir erstmal was zu essen.

Während ich mein Mittagessen aß, wischte ich durch Facbeook, Instagram und Co. Ist euch schon mal aufgefallen, dass jeder immer im Urlaub ist, außer man selbst? Das ist so deprimierend. Da war ich endlich, in DER Stadt und hatte total das Loserleben.

Bing – eine neue Facebook Nachricht. Ich liebe es ja, wenn man Zeit hat und dann ne Nachricht kommt. Die perfekte Beschäftigung! Dreimal dürft ihr raten, wer es war..
Richtig, der Moderator! Ich weiß bis heute nicht, wie er mich gefunden hat. 

Er: „War das echt dein Ernst vorhin am Telefon?“ Wusste ich es doch..
Ich: „Äh, ja?!“
Er: „Ich konnte dich nicht ernst nehmen und musste dich einfach wegdrücken.“
Ich: „Hab ich mir schon gedacht.“
Er: „Bei welchem Radiosender arbeitet denn dein Freund?“
Leider habe ich den Verlauf nicht mehr, aber so in etwa fing es an. Wir sprachen höchstens 5 weitere Minuten über meinen Bekannten und fingen dann an über uns zu reden. Wir konnten nicht aufhören miteinander zu schreiben. Irgendwann hatte ich Feierabend. Zunächst war es noch harmlos. Ich erzählte woher ich kam und das ich neu in der Stadt bin. Er erzählte mir von sich und was ihm so gefiel an dem was wir gerade taten.
Die Themen, zwischen ihm und mir, wurden immer.. nennen wir es mal zunächst „persönlicher“..

Er war abends wieder auf Sendung. Ein Gewinnspiel oder so. Ich schaltete also das Radio an und schrieb währenddessen mit ihm. Das war schon echt aufregend. Ich fing an Dinge zu schreiben, die ihn aus der Fassung bringen könnten. Was ich denn gerne mit ihm anstellen würde, wenn er jetzt hier wäre und worauf ich stehe…  Er laß jede Nachricht und musste zeitgleich moderieren. Ich konnte anhand seiner Stimme erkennen, wann er meine Nachricht gelesen hat. Ich machte ihn total verrückt. Aber die Situation machte mich genauso verrückt. Zu wissen, dass dieser Mann im Radio, sich gerade vorstellt was er gerne mit mir tun würde und dabei gleichzeitig seine Stimme zu hören. Leute das war so aufregend und heiß!

Die Sendung war nun zu Ende. Das Gespräch zwischen ihm und mir aber noch lange nicht.

Er: „Um 3 Uhr mach ich Feierabend.“ Aha.
Ich: „Und dann?“
Er: „Ich fahre sowieso an deiner Tür vorbei. Soll ich vorbeikommen?“ äh…
Ich: „Sorry. Dirtytalk ist ja ganz heiß, aber mehr geht nicht.“
Er: „Das will ich auch nicht“ Haha. Ne, is klar.
Ich: „Das glaubst du doch selbst nicht.“
Er: „Doch. Lass uns weiterreden, nur face to face.“ Hm.. Ok das klang wieder ganz geil.
Ich: „Ohne anfassen?“
Er: „Ohne anfassen.“ Challenge accepted.
Ich: „Na gut. Aber das ist ja leicht.“
Er: „Ok? Schlag was anderes vor.“ Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht noch ne bessere Idee gehabt hätte.
Ich: „Wir machen das so, wie du es gesagt hast. Aber..“
Er: „Aber?“
Ich: „..sind dabei komplett nackt.“
Er: „Ok.“

Ok. Ich empfehle niemandem das nachzumachen. Einen fremden Mann, mitten in der Nacht zu sich nach Hause einzuladen. Ich kannte niemanden in meiner näheren Umgebung, der mich hätte retten können. Wie lebensmüde war ich bitte?
Ich versuchte ihn vorher noch zu googeln, damit ich wusste, wie er denn überhaupt aussieht. Ich hatte nur das Profilbild bei Facebook. Der Typ hat echt keine anderen Fotos gehabt. Die Suche war noch nie so schwer. Wenn es ein TV-Moderator gewesen wäre, hätte ich locker 100 Bilder, 50 Videos, 10 skandalöse News und noch obendrein Bilder von Ex Freundinnen finden können. Aber das war er ja nicht.. Ich fand nur ein weiteres Foto.

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Da klingelte es an der Tür. Ok, jetzt wird’s ernst. Ich öffnete die Tür und da stand er: Ein dunkelhaariger, 1.70m großer(kleiner) Mann, sportliche Figur, Ende 20 und mit einem sehr verführerischen Blick.
Ich sagte nur „Hi.“, da schloss er auch schon die Tür hinter sich und zog sich direkt aus. Damn! Sagte ich schon, dass er eine sportliche Figur hatte? Ich tat das selbe. Wir gingen ins Wohnzimmer und setzten uns auf die Ledercouch. Ich war super nervös. Er war es auch, das sah ich in seinem Blick. Wir haben zunächst keinen Ton rausbekommen, aber es reicht auch die Stille. Wie er mich ansah und wie ich ihn ansah. Diese Spannung zwischen uns und diese unfassbar große Lust.

Wir fingen wieder an über all die Dinge zu reden, über die wir auch schon vorher redeten. Diesmal war es nur viel aufregender. Wir kamen uns zwischendurch sehr nah, sahen uns dabei tief in die Augen, berührten uns aber nicht. Das war der Deal. Nur reden, nicht anfassen. Er hielt sich dran.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, bat ich ihn zu gehen. Ich wäre fast explodiert! Er musste weg!

Hin und wieder haben wir Kontakt. Noch heute fragen wir uns, was gewesen wäre, wenn…. Gesehen haben wir uns aber nie wieder.

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